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Es lebe Yin und Yang PDF Drucken E-Mail
Provokation des Monats, von NILGÜN AYGEN, erschienen in Personal , Heft 02/2007
Es gibt niemanden, der nicht mehr erreichen könnte, als er glaubt, sagte Henry Ford. Es ist durchaus nicht nur die deutsche Fusball-Nationalmannschaft, deren Leistung bei der WM 2006 mir dazu einfällt. Allerdings, die Klinsmann-Truppe hat gezeigt: Deutschland muss sich seiner Chancen und seinem Potenzial bewusst werden, dann klappt es auch mit dem Siegen.
Die Elf muss die eigenen Stärken ausspielen. Nach gründlicher Analyse wurde eine Erfolg versprechende Strategie entwickelt, der dann die passenden Spieler zugeordnet wurden. Mehr Mut zu Risiko und aussergewöhnlichen Ideen einerseits, der Abschied von überholten Tugenden und Methoden andererseits wurden Bestandteil neuen Fussball-Denkens. David Odonkor oder Oliver Neuville waren die in der jeweiligen Situation ideale Besetzung. Ihre Einwechslung war nicht der oft zitierte Glücksgriff, sondern entsprach der vom Trainerstab entwickelten Erfolgsstrategie.

Zufall oder nicht, viele Wirtschaftstitel griffen im Frühherbst das Thema Erfolg auf. Die Themen reichten von Die 100 stärksten deutschen Familienunternehmen (impulse 10/06), über Die 50 mächtigsten Frauen der Weltwirtschaft (WirtschaftsWoche 41/06) bis zu den 300 reichsten Deutschen (manager magazin spezial 10/06). Die Zeitschrift brand eins widmete gar das gesamte Oktoberheft dem Thema Erfolg. 109 Unternehmen der TOP 500 einer im Oktober veröffentlichten europäischen Mittelstands-Rangliste, die im Auftrag der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und Microsoft erstellt wurde, sind in Deutschland ansässig. Erfolg ist also offenbar auch am viel gescholtenen Standort Deutschland möglich. Deshalb habe ich mich als türkische Unternehmerin bewusst für Deutschland als Mittelpunkt meiner unternehmerischen Tätigkeit im Personalmanagement und Profiling entschieden.

Im Chinesischen sind die Begriffe Yin & Yang sich ergänzende Grundqualitäten. Yin kann nicht allein stehen, Yang kann nicht alleine wachsen. Yin und Yang sind unterscheidbar, jedoch unzertrennlich. Personen und Prozesse sind das Yin und Yang des Erfolges. Im absoluten Gleichgewicht ergeben sie zusammen den Optimalzustand. Die richtigen Leute mit ihren Stärken auf der richtigen Stelle zu haben, kann den Unterschied ausmachen zwischen Bankrott und überleben. Oder, um beim Fussball zu bleiben, zwischen Sieg oder Niederlage.

Die Frauenfussballmannschaft ist ja schon Fussballweltmeister, und ich sehe keinen Grund, warum Männer nicht das Gleiche leisten können wie Frauen, hat Angela Merkel in ihrer ersten Neujahrsansprache als Bundeskanzlerin gesagt. Auch wenn dieser Satz ironisch-provokant geklungen haben mag, finde ich diese Aussage zeitgemäser als das Eva-Prinzip. Die TV-Debatten rund um das Buch der Journalistin Eva Hermann, die Frauen zurück an den Herd und ins Kinderzimmer schickt, klangen mittelalterlich. Deutschland nutzt die Stärken des weiblichen Geschlechts in der Wirtschaft viel zu wenig. Anderswo sind Frauen mehr Motor und Stütze der Wirtschaft. In Istanbul ist ein Grossteil der mittleren und oberen Führungsebene weiblich, und fast doppelt so viel wie in Deutschland sind berufstätige Frauen selbstständige Unternehmerinnen. Im Mittleren Osten werden viele der Spitzenpositionen in der Wirtschaft von Frauen aus etwa dem Libanon oder Ägypten eingenommen.

Mit Bundeskanzlerin Merkel und der Vorstandssprecherin der KfW, Ingrid Matthäus-Maier, gehören laut WirtschaftsWoche-Liste nur zwei Deutsche zu den 50 mächtigsten Frauen der Weltwirtschaft. Dabei bringen viele der Top-Managerinnen oder Politikerinnen wichtige Eigenschaften mit, die sie für Top- Jobs qualifizieren: enorme Zielstrebigkeit, Effizienz und Offenheit. Besonders gefallen hat mir Linda Cook, Vorstandsmitglied beim Ölkonzern Shell, die die Frage nach dem Geheimnis ihres Erfolges mit einem chinesischen Sprichwort beantwortete: Ich bin durch Glück und harte Arbeit dorthin gekommen, wo ich heute bin - je härter ich arbeite, desto mehr Glück habe ich. Und was sie am glücklichsten macht, sollte nicht durch das Eva-Prinzip bestimmt werden, sondern jeder Frau selbst überlassen werden.

Yin&Yang lehrt uns zum einen, dass nichts statisch ist, dass es nichts festzuhalten gibt. Zum anderen, dass es auch für unser Leben eine Gesetzmässigkeit der Veränderung gibt. Und schlieslich, dass es Kraft sparender und befriedigender sein kann, mit diesen Veränderungen zu leben, als sich gegen sie zu sträuben.